Studio-Hotline 02182 / 6990049

Fairchild 670 Kompressor

02 Jan 2022
Stereo Kompressor Fairchild 670 in der „Special Pfeffer Edition“
Stereo Kompressor Fairchild 670 in der „Special Pfeffer Edition“

Das THS-Studio und der Stereo Kompressor Fairchild 670 in der „Special Pfeffer Edition“.

Ein Unikat in unserer Mastering-Suite!

Die bemerkenswertesten Produkte von Fairchild aus den 60iger waren der Stereokompressor Fairchild 670 und sein Mono-Bruder Fairchild 660. Diese Kompressoren können heute im Originalzustand für über 45.000 Dollar verkauft werden. Ursprünglicher Entwickler war Rein Narma, als er das erste 8-Kanal-Mischpult von Les Paul baute. Später wurde er von Sherman Fairchild lizenziert, der Rein Narma als Chefingenieur des Unternehmens einstellte.

Technik-Exkurs

Besonderheiten unseres Fairchild in der Version von Bernd Pfeffer

Fairchild 670

Der Fairchild 670 Kompressor hat insgesamt 20 Röhren und 14 Transformatoren. Die Röhren sind bis auf die JJ 6386 LGP relativ gebräuchlich.

Das Herz des Kompressors, die acht JJ 6386 LGP Regel-Röhren, sind ein Remake der nicht mehr produzierten General Electric 6386. Diese speziellen Röhren (Stückpreis aktuell 500.-€ ) haben genau die exponentielle Kennlinie, die eine „VariMu“-Kompression überhaupt erst ermöglicht. Dadurch wird kein weiteres Regelglied benötigt, wie z.B. einen FET (Feldeffekttransistor) im Urei 1176 oder die optische T4b-Zelle im LA2a/LA3a.

Der Fairchild ist im Signalverlauf komplett symterisch aufgebaut. Daraus resultiert ein insgesamt sehr geringer Klirrfaktor auch unter hoher Kompression und ein sehr niedriges Ausgangsrauschen.

Durch die im Nachbau verwendete DC-Gleichstromheizung (statt Original AC 6.3V) hat der „670 Clone“ einen Fremdspannungsabstand bezogen auf +0dB von -80dB/A und einen Dynamik Umfang von über 107dB. Damit liegt er um 14dB besser als das Original (-66dB) und kann damit für hochwertiges Mastering eingesetzt werden. Dies ist mit dem „Original“ nicht zu empfehlen...

Die JJ 6386 LGP Regel-Röhren

Fairchild 670 JJ 6386 LGP Röhre/Tube

Das Regelprinzip ist so genial wie einfach. Der Bias, sprich der Arbeitspunkt ist auf -6,3 Volt am Gitter der 6386-Röhren eingestellt Ug(V). Die exponentielle Kennlinie definiert das Verhältnis von Eingang zu Ausgang.

Bei hoher Kompression wird die Gittervorspannung und damit der Arbeitspunkt der Röhre nach links verschoben. Bei einem Anstieg des Eingangspegels wird somit der Anstieg des Ausgangspegels verringert. Das entspricht der Kompression.

Die Attack-Zeit des Geräts ist extrem schnell, um kurze Transienten abzufangen, und die Release-Zeit ist in sechs Stufen von 0,3 Sekunden bis 25 Sekunden einstellbar. Zwei davon haben Release-Zeiten, die automatische Funktionen des Programmmaterials sind und eine schnelle Erholung für kurzzeitige Spitzen und eine automatische Reduzierung mit sehr langer Erholungszeit der Gesamtverstärkung bieten, falls der Programmpegel hoch bleibt.

JJ 6386 LGP Kennlinie

JJ 6386 LGP Kennlinie

Optisch sieht man das an der Röhrenkennlinie ganz gut, der flache Verlauf links im Diagramm bedeutet eine hohe Ratio, die steile Kennlinie rechts im Diagramm erzeugt eine niedrige Ratio. Je weiter links im Diagramm der Arbeitspunkt der Röhre liegt, desto kleiner ist das Ausgangssignal bei gleichem Eingangssignal. Da der Fairchild 670 ein Feedback-Kompressor ist, regelt man die Kompressionsstärke durch Erhöhen des Input-Signals mit dem Input-Gain-Regler.

Im Gegensatz zum Original Fairchild ist es in der Pfeffer-Version möglich durch präzise Stufenschalter eine Regelkennlinie einzustellen, die mehr oder weniger den Bereich eines HardKnee (10:1 Brickwall) bis hin zu einer kaum mehr wahrnehmbaren sehr subtilen Kompression abbilden.

Damit ist er im THS-Studio sowohl in der E-Musik als auch in der U-Musik sehr flexibel und variantenreich einzusetzen.

Natürlich auch im MS-Mode nutzbar. Dafür wurde er Jahrzehnte auch häufig für das Premastern von LPs eingesetzt. Auch unterscheidet sich die Peffer-Version vom Originalen, dessen manuelle StereoMS-Umschaltung oftmals mit Störungen und Brummeinstreuungen versehen war. In der Nachbau-Version wird diese Matrix mit aufwendiger Relais Steuerung realisiert.

Ich selbst habe bei der EMI in Köln 1971 als Volontär das dortige Exemplar bestaunen können und man konnte salopp sagen: Über den EMI Fairchild hat Heino gesungen, aber auch Dietrich-Fischer Dieskau...

Wir sind sehr glücklich unseren Mastering-Kunden dieses spezielle Modell in Verbindung mit der legendären Studer A81 als analoge High-End Mastering-Kette anzubieten. Ergänzend hierzu unser SONTEC 5 Band Mastering EQ und der Bricasti Hall.

Zurück

2022 THS Studio Holger Siedler
Erstellt von Warp Acht Media